Haarmann

Leben von Fritz Haarmann

 

1.1. Familiengeschichte

 

Fritz Haarmanns Vorfahren stammten aus der nordrhein-westfälischen Stadt Hemer. Zur Zeit seiner Geburt besaß sein Vater Fritz Harmann eine kleine Zigarrenmanufaktur in Hannover. Seine Mutter war 43 Jahre alt und hatte neben Fritz noch 5 andere Kinder, davon 2 Jungen und 3 Mädchen. Im Familienstammbaum gab es nie kriminelle Auffälligkeiten.

 

1.2 Kindheit des Serienmörders

 

Fritz Haarmann wurde am 25. Oktober 1879 in Hannover geboren. Seine Erziehung war durch den sehr strengen Vater autoritär, zum Ausgleich und auch weil er der jüngste Sohn war verwöhnte ihn seine Mutter ganz besonders. In seiner Kindheit soll sein älterer Bruder ihn oftmals missbraucht haben.

Bis 1895 besuchte er die Bürgerschule Hannover, in der er immer zu den schwachen Schülern gehörte.

 

1.3 Beruflicher Anfänge

 

Ab Ostern 1895 besuchte Haarmann die Unteroffiziersvorschule der Armee, in der er am 11.Oktober infolge einer seelischen Störung die Diagnose „epileptisches Irresein“ erhielt. Darauf hin wird er am 3. November desselben Jahres von der Unteroffiziersvorschule ungeheilt entlassen. Von nun an arbeitete er, wenn auch lustlos in der Zigarrenfabrik seines Vaters, zu dem er ein schlechtes Verhältnis hatte.

 


1.4 Schritte in die Kriminalität und Erklärung zum Schwachsinn

 

Seine ersten Schritte in die Kriminalität waren eine Anklage zur Vergewaltigung im Juli 1896, als er mit 17 Jahren einem Mädchen und zwei Jungen sein Geschlechtsteil in den Mund gesteckt hat.

Daraufhin wurde er vom 8.Februar bis 25.März 1987 in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim eingewiesen, wo festgestellt wurde, dass er unter angeborenem Schwachsinn litt. Von dort kam er als „gemeingefährlicher Geisteskranker“ in die Bult Hannover und sein Strafverfahren wurde eingestellt. Während seines Aufenthaltes in der Bult überwies man ihn in die Anstalt Hildesheim, wo er bei der Gartenarbeit fliehen konnte und wenige Tage später wieder eingefangen wurde. Am 21.Dezember 1897 verlegte man ihn in die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Langenhagen, wo er abermals flüchtete und nicht wieder eingefangen zu wurde.

 

1.5 Weiterer Beruflicher Werdegang

 

Nach dem erfolgreichen Ausbruch aus der Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Langenhagen wanderte er mit Unterstützung seiner Eltern in die Schweiz aus, und kam in Chur bei einem Bekannten unter. Als dieser 1898 starb, arbeitete Fritz bis März 1899 in einer Maschinenfabrik in Zürich und kehrte im April 1899 nach Deutschland und in die Zigarrenfabrik seines Vaters zurück. Vater und Sohn hatten viele Auseinandersetzungen, doch stand Fritz Haarmanns Mutter stets auf der Seite ihres jüngsten Sohnes. Im Winter 1899 ging er keiner regelmäßigen Arbeit mehr nach, als er sich mit Erna Löwert, der Tochter eines im Haus seiner Eltern wohnenden Mieters verlobte.

Im Oktober 1900 zog ihn das Jägerbataillon in Kolmar, später in Bitsch, als Ersatzrekrut ein. Hier wurde seine geistige Störung nicht erkannt, bis er im Herbst 1901 bei einem sehr anstrengenden Marsch ohnmächtig wurde. Man stellte immer wieder Schwächeanfälle fest und so wurde er im Dezember wegen Neurasthenie, einer Nervenschwäche die zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und Angstanfällen führt, in das Garnisonlazarett in Bitsch eingeliefert. Seine gesundheitliche Verfassung verbesserte sich bis Mai 1902 nicht, deshalb lieferte man ihn in die Station für Nervenkranke in Strassburg ein, wo der schon lang bestehende Intelligenzdefekt wieder nachgewiesen wurde. Er wurde als dienstunbrauchbar und teils erwerbsunfähig eingestuft, was zu seiner Entlassung bei den Jägerbataillon führte.

Da die Mutter von Fritz bereits verstorben war. zog er zu seiner Schwester Emma Buschel, das Verhältnis zu seinem Vater blieb weiterhin schlecht. Als es zu Streitigkeiten um das Erbe der Mutter kam, verklagte Fritz seinen Vater auf Unterhalt, da er selber durch sein Nerven- und Herzleiden nicht im Stande war dauernd und regelmäßig zu arbeiten. Das Gericht lehnte die Klage mit der Begründung ab, Fritz Haarmann würde mit seiner Krankheit übertreiben und sei sehr wohl in der Lage seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Einen Monat nach der Urteilsverkündung verklagte Fritz Vater im Februar 1903 seinen Sohn wegen Totschlagsdrohung gegenüber seiner Geschwister und der Ermordung eines Lokomotivführers. Das Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt.

Der Vater-Sohn-Konflikt eskalierte so sehr, dass der Vater Fritz wieder in die Irrenanstalt einweisen wollte, doch der Gerichtsarzt stellte keine Geisteskrankheit fest. Dafür erkannte man moralische Minderwertigkeit, wenig Intelligenz und Trägheit, sowie eine egoistische Einstellung, die teils anerzogen und teils angeboren war.

Fritz Haarmann schaffte trotz dieser Diagnose, sich ein Fischergeschäft in Lutherkirchen aufzubauen, dass aber nur für kurze Zeit, da er es auf seine Frau übertragen hatte und diese kurze Zeit später beim Geschlechtsverkehr mit einem Studenten ertappte. Daraufhin arbeite er vorübergehend als Sicherheitsagent, bis er Arbeit bei einer Ultramarinfabrik von Laux und Vaubel bekam. Hier lernte er Frau Guhlich kennen.

 

1.6 Vertiefung des kriminellen Werdegangs

Frau Guhlich und Fritz Haarmann führten in der Ultramarienfabrik in der sie arbeiteten eine Reihe von schweren Diebstählen durch, so dass Haarmann in kürzester Zeit viermal verurteilt wurde und am 11. November 1905 das erste Mal eine 7-monatige Strafe absitzen musste.

Am 11. Juni 1906 kam Fritz Haarmann aus dem Gefängnis und schon am 6. Juni 1906 beging er die nächste Straftat. Er stellt sich als Beamter der städtischen Desinfektionsanstalt vor. Hierfür bekam er nur 2 Wochen Haft, doch es folgten weitere Inhaftierungen wegen Diebstahls eines Eiertopfes (6 Wochen Haft) und Körperverletzung an seinem Vater (1 Monat Haft), mit dem er immer noch im Streit lebt. Durch den Diebstahl von Türdrückern in 3 Fällen bekam er nochmals 6 Monate Gefängnisstrafe. Als er Ende Mai 1909 dann noch eine Bronzefigur vom Friedhof klaut, bekommt er eine schwere Strafe von 1 Jahr und 6 Monaten und das bürgerliche Ehrenrecht auf 5 Jahre entzogen.

Diese Strafe verbüßte er bis zum 20. Januar 1911. Doch schon 3 Wochen später wurde er erneut wegen Diebstahls auf einem Friedhof festgenommen und diesmal für 9 Monate eingesperrt.

Nach dem Absitzen dieser Strafe blieb Haarmann für 1 Jahr auf freiem Fuß, bis er am 12. Dezember 1912 beim Einbruch in einen Keller erwischt wurde. Im Februar 1913 wurde er wegen 10 Kellerdiebstählen und einem versuchten schweren Diebstahl zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm diesmal für 10 Jahre aberkannt. Am 25. März 1918 wurde er aus seiner Inhaftierung entlassen.

1.7 Anfänge der Karriere Triebtäters

 

Nachdem er vorübergehend bei seiner Schwester gewohnt hatte, mietete er im April 1918 einen Laden mit Hinterzimmer der Cellerstraße Nr. 27. Seinen Unterhalt erwarb er durch Handel mit Fleisch, wie Kaninchen und Geflügel, die er meist am Bahnhof von jungen Leuten kaufte, die diese selbst durch Diebstahl, Schleichhandel der ähnliches Vergehen erworben hatten. Er vertrieb das Fleisch erfolgreich auf dem Schwarzmarkt. Durch diesen Fleischhandel lernte er sehr viele junge Menschen kennen, die ihn auch oft Zuhause besuchten. Als der Schüler Friedel Rothe im September 1918 vermisst wurde verdächtige man Fritz Haarmann das erste Mal eines Mordes und die Geschichte von Haarmanns Lustmorden begann.

 

 

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